Johann Conrad Philipp
Niemeyer
* 25.11.1711 Halle
+ 20.04.1767 Halle
Auguste Sophie
Freylinghausen

* 23.03.1717 Halle
+ 08.04.1763 Halle




August Hermann Agathon
Niemeyer

Professor der Theologie, Direktor der Franckeschen Stiftungen, Kanzler der Universität Halle

* 01.09.1754 Halle
+ 07.07.1828 Halle


Kinder mit: Agnes Christiane Wilhelmine von Köpcken (* 15.02.1769 Magdeburg + 08.04.1847 Halle) (oo 05.10.1786 Magdeburg):


Wilhelm Hermann
Niemeyer

* 20.06.1788 Halle
+ 22.03.1840 Halle
Franz Anton
Niemeyer

* 08.01.1790 Halle
+ 11.08.1867 Greifswald
Carl Eduard
Niemeyer

* 13.04.1792 Halle
+ 13.12.1837 Magdeburg
Agnes Sophie
Niemeyer
* 12.12.1793 Halle
+ 22.11.1820 Halle
oo 12.1819: Johann August Jacobs
Luise Charlotte
Niemeyer
* 07.05.1795 Halle
+ 15.08.1818
Musiklehrerin
August Hermann
Niemeyer
* 1796
+ 1797
August Hermann
Niemeyer
* 29.09.1797 Halle
+ 1798 Halle
Maximilian Theodor
Niemeyer
* 03.02.1801 Halle
+ 05.02.1835 Halle
Max Niemeyer Verlag
Hermann Agathon
Niemeyer

* 05.01.1802 Halle a. S.
+ 06.12.1851 Halle
Sophie Magdalena
Niemeyer
* 28.11.1802 Halle
+ 22.06.1839
Carl Wilhelm
Niemeyer
* 22.06.1804 Halle
+ 30.12.1842
Prediger an der Ägidienkirche zu Lübeck
Johanne Auguste
Niemeyer

* 04.10.1805 Halle
+ 05.10.1891 Halle
Caroline Marianne
Niemeyer
* 22.09.1807 Halle
+ 27.06.1860 Wellerswist
Wilhelmine Marie
Niemeyer

* 04.03.1811 Halle
+ 27.09.1846 Hamburg
Angelika
Niemeyer
* 1812 Halle
+ 1812 Halle
Quellen:
- Sein ADB-Artikel: " Niemeyer, August Hermann Leben | Autor | Literatur | Zitierweise Leben ↑ Niemeyer: August Hermann N., evangelischer Theolog und Pädagog, geb. zu Halle am 1. September 1754, † am 7. Juli 1828, von mütterlicher Seite ein Urenkel August Hermann Francke's. Nachdem er 1764 seine Mutter und 1767 seinen Vater, der Prediger an der Marienkirche zu Halle war, verloren hatte, sorgte die Wittwe eines zu Halle verstorbenen Leibarztes Lysthenius für dessen Erziehung. Nach Absolvirung der urgroßväterlichen Anstalten, des Pädagogiums seiner Vaterstadt, widmete er sich 1771 daselbst den theologischen Studien. 1777 begann N. seine akademische Thätigkeit zu Halle mit verschiedenen Vorlesungen, besonders auch mit Erklärungen alter Classiker, von denen er zugleich zweckmäßige Schulausgaben besorgte. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er 1784 zum ordentlichen Professor der Theologie sowie zum Inspector des königlichen Pädagogiums und 1785 zum Mitdirector der gesammten Francke'schen Stiftungen ernannt; diese warm damals in Rückgang gekommen, und N. erwarb sich durch deren Hebung, vornehmlich durch sorgfältige Wahl geschickter Lehrer um dieselben große Verdienste. 1787 wurde zu Halle ein pädagogisches Seminar gegründet, dessen Leitung N. übertragen wurde zugleich mit dem Auftrage über Theorie des Unterrichts und der Erziehung Vorlesungen zu halten, die dann auch ein zahlreiches Auditorium fanden. Als 1806 Halle von den Franzosen besetzt und die Universität wegen politischer Demonstrationen der Studenten von Napoleon aufgehoben wurde, wurde damit auch Niemeyer's akademische Thätigkeit unterbrochen und seine Wirksamkeit war zunächst nur auf die Leitung der Francke'schen Stiftungen und seine wissenschaftlichen Arbeiten beschränkt. Im Mai 1807 wurde N. nebst vier anderen der geachtetsten Einwohner von Halle auf Befehl Napoleons als Geisel nach Frankreich geschickt; seine hier erlebten Reiseeindrücke hat er nachher in den zwei Bänden seiner "Beobachtungen auf einer Deportationsreise" niedergelegt. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde ihm seitens des Königs von Preußen eine Professur an der zu Berlin zu errichtenden Universität angetragen; aus Liebe zu seiner Vaterstadt, um sein Verbleiben daselbst zu ermöglichen, entschied er sich jedoch zum Eintritt in den westfälischen Staatsdienst und er wurde 1808 von dem Könige Jérôme zum Kanzler der in diesem Jahre wiederhergestellten Universität Halle und zum beständigen Rector derselben ernannt. 1813 fiel N infolge seiner Flucht nach Leipzig und verleumderischer Denunciationen, wornach er mit der preußischen Regierung politische Beziehungen unterhalten sollte, bei Jérôme in Ungnade, ebenso erschien die Stadt und Universität Halle der französischen Regierung verdächtig, infolge dessen durch Decret Napoleons vom 15. Juli 1818 die Universität zum zweiten Male aufgehoben wurde und N. seine Aemter und Würden verlor. Nach der Schlacht bei Leipzig wurde die Universität Halle wieder eröffnet und N. trat wiederum in seine amtliche Stellung daselbst ein. 1816 empfing er einen Beweis des königlichen Wohlwollens durch die erneute Ernennung zum Oberconsistorialrath bei dem Consistorium der Provinz Sachsen. Das fünfzigjährige Jubiläum der Doctorwürde und der akademischen Wirksamkeit Niemeyer's wurde von der Universität Halle am 18. April 1827 in ehrendster Weise begangen, dessen Feier noch erhöht wurde durch ein Glückwunschschreiben|an den Jubilar und durch ein Geschenk von 40,000 Thalern zum Zwecke der Errichtung eines Universitätsgebäudes als eines Lieblingswunsches Niemeyer's. Er starb im folgenden Jahre infolge eines Schlaganfalles. Niemeyer's Wirksamkeit auf pädagogischem Gebiet läßt sich am deutlichsten aus seinen während seiner ganzen amtlichen Thätigkeit zeitweise erschienenen Schriften ersehen, die er den Bedürfnissen des Unterrichts entsprechend zu dessen Förderung und zur Hebung der religiös-sittlichen Erkenntniß schrieb. Seine erste von ihm noch als Lehrer der Francke'schen Stiftungen 1775 veröffentlichte Schrift: "Charakteristik der Bibel" war übrigens theologischer Natur, lenkte aber das öffentliche Interesse auf ihn; 1831 erschien von dem Sohne des Verfassers eine neue Ausgabe derselben. Nachdem N. 1784 zum Inspector des königlichen Pädagogiums und 1785 zum Mitdirector der gesammten Francke'schen Stiftungen ernannt worden war, führte ihn die Leitung dieses Schulwesens auf das Feld der Pädagogik; er besprach nun in Schulprogrammen das Schulwesen betreffende Gegenstände, so veröffentlichte er 1787 ein Programm "Ueber den Geist des Zeitalters in pädagogischer Rücksicht", 1. und 2. Heft, zur Klärung und Vermittlung damals herrschender extremer pädagogischer Ansichten. 1790 erschien sein "Pädagogisches Handbuch für Schulmänner und Privaterzieher", dessen erster Theil jedoch keine Fortsetzung erfuhr. 1796 schrieb N. seine "Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts für Eltern, Hauslehrer und Schulmänner", das noch zu Lebzeiten des Verfassers acht Auflagen in drei Theilen erfuhr; eine neunte Auflage des heute noch in Fachkreisen geschätzten Werkes besorgte von 1834—39 sein Sohn Dr. H. A. N.; gleichzeitig ließ N. zum Gebrauche bei seinen pädagogischen Vorträgen im Seminar eine Uebersicht der in der zuletzt genannten Schrift ausgeführten Theorie der Erziehung und 1803 einen "Leitfaden der Pädagogik und Didaktik" erscheinen, der 1804 eine zweite verbesserte Auflage erhielt. Gleichfalls für das Seminar berechnet, doch auch als Beilage zum geschichtlichen Theil seiner "Grundsätze" sind die 1813 herausgegebenen "Originalstellen griechischer und römischer Classiker über die Theorie der Erziehung und des Unterrichts" zu betrachten, die in ihrer Zusammenstellung einen sechshundertjährigen Zeitraum der Geschichte der Erziehung und des Unterrichts umfassen. Als christlicher Pädagog schrieb er ferner das "Handbuch für christliche Religionslehrer", dessen zweiter Theil vor dem ersten Theil 1790 unter dem Titel "Homiletik, Pastoralanweisung und Liturgik" erschien; der 1792 erschienene zweite Theil war betitelt: "Populäre und praktische Theologie oder Methodik und Materialien des christlichen Volksunterrichts". Der erste Theil erfuhr 1823 und der zweite Theil 1827 die sechste Auflage. Mit diesem Handbuch hingen zusammen Niemeyer's "Briefe an christliche Religionslehrer", 1. und 2. Sammlung 1796—97. Zum Zwecke des Religionsunterrichts an höheren Schulen versüßte N. 1801 ein "Lehrbuch für die oberen Religionsclassen in Gelehrtenschulen", das 1843 die 18. Auflage erhielt. Diese auf dem Gebiete der Religionslehre sich bewegenden Schriften wurden von protestantischer Seite vielfach scharf angefochten und das oben erwähnte Handbuch für christliche Religionslehrer sogar von der Regierung für den Gebrauch verboten und der Verfasser selbst mit Absetzung bedroht, welche nur der Wille des Königs verhinderte. Zugleich mit dem erwähnten Lehrbuch für die oberen Religionsclassen erschienen die bis 1822 viermal aufgelegten "Erläuterungen, Anmerkungen und Zusätze zum Gebrauche der Lehrer". Von Niemeyer's Interesse für die Hebung des damals vielfach in unfruchtbarer Weise ertheilten Religionsunterrichts zeugt auch das 1798 herausgegebene Programm: "Ideen über den Plan eines Lehrbuchs für die oberen Religionsklassen". Auch als Dichter, besonders auf dem Felde der religiösen Dichtung, hat sich N. versucht und zwar in Liedern, Hymnen und Oratorien;|außer mehreren früh versüßten religiösen Dramen ließ er 1778 Gedichte und Oden, 1785 ein Gesangbuch für höhere Schulen und Erziehungsanstalten erscheinen, dann schrieb er auch einige Erbauungsschriften, wie "Philotas" 1779 bis 1808, 3 Theile, "Timotheus" 1784—90, 3 Abtheilungen, sowie "Feierstunden während des Kriegs". — Ein vollständiges Verzeichniß von Niemeyer's Schriften und sonstigen litterarischen Arbeiten in chronologischer Ordnung findet sich in seinem von Jacobs und Gruber verfaßten Nekrolog S. 432 ff. Seine pädagogischen Bestrebungen gaben N. auch Anlaß zum Studium der Philosophie, wo er jedoch keinem bestimmten System anhing, sowie zur Beschäftigung mit Psychologie und Geschichte; auf letzterem Gebiete zogen ihn besonders Biographien, Selbstgeständnisse und unbefangen geschriebene Briefe als treues Abbild des menschlichen Gemüthes an. N. verfaßte selbst verschiedene Lebens- und Charakterschilderungen; schon 1792 hatte er eine solche Arbeit dem Andenken seines Vaters gewidmet, sodann ist die Persönlichkeit Francke's, Wesley's und Nösselt's von ihm biographisch behandelt worden; auch seine "Beobachtungen auf Reisen in und außer Deutschland", 4 Bde., 1826, 2. Auflage, seinerzeit ein Lieblingsbuch der gebildeten Welt, enthalten eine Menge biographischer Notizen von bedeutenden Menschen, mit denen N. hier in Berührung kam; Jacobs hat in seinem "Leben und Wirken Niemeyer's" eine interessante Uebersicht der Niemeyer'schen Reisen gegeben. — N. besaß bei vielseitiger Gelehrsamkeit ein tiefreligiöses Gemüth, eine feine Beobachtungsgabe und genaue Vertrautheit mit der Natur des menschlichen Herzens, welche Eigenschaften ihn ganz besonders zum Erzieher befähigten; außerdem stand ihm zur unbefangenen Würdigung fremder Meinungen und Bestrebungen eine natürliche Ruhe und Besonnenheit zu Gebot, die ihn inmitten ganz widerstrebender Bewegung eine unparteiische Stellung nehmen ließ. Durch die Vertrautheit mit den alten Classikern war ihm eine großartige und doch zugleich heitere Lebensansicht eigen geworden, die ihn als Theologen und Pädagogen vor extremen Ansichten bewahrte. In seinem Wirken als Schulmann zeigte N. neben außerordentlicher Thätigkeit und Pünktlichkeit eine seltene mündliche wie schriftliche Darstellungsgabe. Erfinder neuer bahnbrechender pädagogischer Systeme war er nicht, aber durch verständige Prüfung, gründliche Erörterung und vorsichtige Benützung des Vorhandenen hat N. sich große Verdienste auf diesem Gebiet erworben. Auf seinen häufigen Reisen suchte er durch Berührung mit ausgezeichneten Männern des In- und Auslands Erfahrung zu sammeln, wobei ihn ein gewisses Talent für fremde Sprachen sehr unterstützte. Zu dem ihn umgebenden Lehrpersonal stand er im Verhältniß eines alteren erfahrenen Freundes; in den Conferenzen zeigte er milde Ruhe und Besonnenheit; Widerspruch ertrug er nicht gern; kaltsinnige oder zur Ironie neigende Naturen wären seinem warmen Gemüthe nicht zusagend. Literatur ↑ Heindl, Biographien d. ber. u. verdienstv. Pädagogen u. Schulmänner. — Jacobs u. Gruber, A. H. Nirmeyer, balle 1831. — A. H. Rein, Erinnerungen an A. H. N., Crefeld 1841. — Föhlisch, Erinnerungen an Dr. A. H. N. etc. als Pädagog in Allg. Litteraturzeit. 1835, Nr. 82. Autor ↑ Binder."

- ZUM SOHN: ADB-Artikel zum Sohn: " Niemeyer, Hermann Agathon Leben | Autor | Literatur | Zitierweise Leben ↑ Niemeyer: Hermann Agathon N. wurde am 5. Januar 1802 in Halle a. S. geboren. Er war der jüngste Sohn des Kanzlers Aug. Herm. N. und einer geborenen v. Köpcken, der Tochter des aus der Klopstock- und Gleimzeit bekannten Magdeburger Litterators (s. A. D. B. XVI, 675). Mit seinem wenig älteren Bruder Max erhielt er von dieser den ersten Unterricht, bis er Ostern 1810 als Scholar in das Pädagogium aufgenommen ward. Hier waren Johann August Jacobs, welcher nachmals sein Schwager ward, Mollweide und A. F. Näcke seine Lehrer, von welchen besonders der letztere großen Einfluß auf ihn ausübte, ihn namentlich in das Verständniß der griechischen Tragiker einführte. Doch beschränkte sich sein Interesse nicht auf die Alten, eine genauere Kenntniß der deutschen Litteratur brachte ihm das elterliche Haus nahe. Als er sich Michaelis 1819 der Maturitätsprüfung unterzog, erhielt er ein Zeugniß unbedingter Tüchtigkeit, in welchem zugleich sein reiner Sinn und seine Bescheidenheit anerkannt wurden. — Der Kanzler ließ seinen Söhnen in der Wahl des Berufes volle Freiheit, wie denn die Brüder Niemeyer's Aerzte oder Juristen gewesen sind; dieser wird sich also zum Studium der Theologie aus eigener Neigung entschlossen haben. Allein wenngleich er mit seinem gewissenhaften Eifer alle Zweige dieser Wissenschaft betrieb, so ward er doch weniger von der speculativen Seite derselben angezogen; seine Richtung war eine historische und exegetisch-kritische, zu welcher ihn die tüchtige philologische Schulbildung vorzugsweise zu befähigen schien. Auch ließ er die philologischen Studien mit nichten beiseite liegen; seine Freundschaft mit Reisig, die ihn in der Folge auch in nähere Beziehung zu dessen bedeutendstem Schüler Rüschl brachte, erhielt das alte Interesse lebendig. So war er schon früh, mit 21 Jahren, am Ziele seines akademischen Studienganges; er wurde am 26. Juli 1823 zum Dr. phil. auf Grund einer Dissertation "de Docetis" promovirt. Ganz von selbst fand sich nun der Entschluß, die Docentenlaufbahn einzuschlagen, in welchem ihn sein Vater begreiflicher Weise bestärkte. Nach einem halbjährlichen Aufenthalte in Göttingen, den er zur Anfertigung seiner Habilitationsschrift benutzte, vollendete er diese in Halle im Herbst 1824; sie handelte "de Isidori Pelusiotae vita, scriptis et doctrina". Am 28. December desselben Jahres folgte die Licentiatenprüfung, am 8. Januar 1825 die Disputation. Im Sommer 1826 hielt er die erste Vorlesung. Seine Vorträge bezogen sich hauptsächlich auf die neutestamentlichen Schriften, auf Apologetik und christliche Alterthümer. Aber außerdem ließ er sich auch als Lehrer an der lateinischen Hauptschule verwenden, beschritt mithin genau den Weg, den sein Eltervater Francke den angehenden wissenschaftlichen Theologen vorgezeichnet hatte. Und verhältnißmäßig rasch gelangte er zu einem Erfolge, den er einer Anzeige über ein Buch Augusti's zuschrieb; er erhielt einen Ruf nach Jena als Prof. extraord., welchen er ohne weiteres annahm. Michaelis 1826 siedelte er dorthin über. Die kurze Zeit, welche er in der kleinen Stadt verweilte, hat er immer als den erfreulichsten Abschnitt seines Lebens bezeichnet. Wie er mit frischer Kraft und harmlos-einfachem Sinne kam, so fand er auch bald Menschen, die ihn verstanden und ihm nahe traten; mit Göttling, Credner, Baumgarten-Crusius, Schwarz und vor allen mit Henke ist er, so lange sie und er lebten, in enger Freundschaft verbunden gewesen. Während des Jenenser Aufenthaltes feierte sein Vater das 50jährige Jubiläum, das der Göttinger Faculät Veranlassung gab, ihm die theologische Doctorwürde zu verleihen. Hier in Jena gründete er auch einen eigenen Hausstand, indem er sich mit der Schwester seines Schwagers, des bekannten Juristen Pernice, verheirathete. Inzwischen starb der Kanzler am 7. Juli 1828. Nachfolger desselben war sein Schwiegersohn August Jacobs, welcher bereits seit dem Tode des jüngeren Knapp als Condirector an der Verwaltung des Waisenhauses theilgenommen hatte. Indessen Jacobs war schon lange kränklich und nicht fähig die Last des schweren Amtes allein zu tragen; er beantragte sofort die Ernennung Niemeyer's zum Condirector. Es ist nicht zu übersehen, weshalb man an entscheidender Stelle in Berlin mit der Bestätigung zögerte, wenn man auch weiß, daß sich die verschiedensten Einflüsse dort kreuzten und daß sich viele bedeutende Leute um die Stelle bewarben, seltsam genug die Antipoden Gesenius und Tholuck. Erst am 8. Juni 1829 erfolgte die Genehmigung und zwar auf directe Weisung Friedrich Wilhelms III., der das Anrecht der Familie auf das Amt respectirte. Seinerseits hatte N. lange geschwankt, ob er dem Rufe an das Erbe seiner Ahnen entsprechen sollte. Indem er dem Wunsche seiner Mutter nachgab, gab er zugleich die Ideale seines Lebens auf; denn wenn er in Jena blieb, so durfte er auf eine ebenmäßige Entwickelung seiner wissenschaftlichen Betreibungen und auf Erfolge als akademischer Lehrer hoffen, wogegen in Halle vor dem Amte als Verwalter mit den unaufhörlichen, vielseitigen Ansprüchen die Wissenschaft zurücktreten mußte. So ist er ungern gegangen und sein Vorgefühl hat ihn nur insofern getäuscht, als noch viel schwerere Sorgen und Enttäuschungen über ihn gekommen sind, wie der Anfang erwarten ließ. Als er im August 1829 in Halle eintraf, fand er die Stiftungen in einem kritischen Zustande. Die alten Einrichtungen, auf welche Francke sein Werk aufgebaut hatte, trugen den Bestand nicht mehr und waren selbst nicht zu ertragen; das Pädagogium, dessen Erhaltung Staatsmänner wie L. v. Vincke, v. Bassewitz, v. Merckel, v. Bodelschwingh, die selbst auf der Schule ihre Bildung genossen hatten, für eine Nothwendigkeit erklärten, und das zu Lebzeiten des Kanzlers als die erste Schule Deutschlands angesehen wurde, war zurückgegangen; die Einkünfte, welche ehedem aus den erwerbenden Instituten, der Buchhandlung, der Apotheke geflossen waren, versiegten mehr und mehr. Eine Neubelebung mußte auf allen Gebieten eintreten. Zudem hatte sich die Krankheit des Direktors Jacobs so verschlimmert, daß sofort die gesammte Last der Administration dem 27jährigen Condirector zufiel. Er ging mit voller Einsicht in die zahllosen Schwierigkeiten, mit dem festen Entschlüsse, durchgreifend umzugestalten, und mit demüthigem Gottvertrauen zugleich an die Arbeit. — Sein erstes öffentliches Auftreten war ein Act der Pietät gegen seinen Ahnherrn Francke, dessen Statue, ein Werk Rauch's, er mit einer Weiherede zu übernehmen hatte, 5. November. Am 21. December starb dann Jacobs. Da schleunig ein Vertreter des Geschäftskreises desselben bestellt werden mußte, so gingen die Behörden auf das Auskunftsmittel ein, den Professor Karl Thilo, welcher der Schwiegersohn Knapp's war und von seinem Lehramte im Pädagogium die Anstalten genau kannte, zum Director zu ernennen. Allein auch jetzt wieder ward die Entscheidung verzögert und Thilo schied unwillig am 5. October 1880 aus. Erst im November desselben Jahres ward die Cabinetsordre, welche N. als Director und außerordentlichen Professor der Theologie sowie als Leiter des pädagogischen Seminars bestätigte, vollzogen; er hatte bisher für seine Arbeit die Summe von 400 Thaler erhalten. — Von den zahlreichen Aufgaben, die er nunmehr zu erledigen hatte, waren folgende die wichtigsten. Es handelte sich eben jetzt um die Ordnung der Nessortverhältnisse der Stiftungen, welche aus der unmittelbaren Beaufsichtigung des Ministeriums ausscheiden, an das Provinzialschulcollegium übergehen sollten; N. wußte mit Entschiedenheit und doch auch mit Geschick die Selbständigkeit der Anstalten einigermaßen zu wahren. Die lateinische Hauptschule war neu zu organisiren, mit jüngeren Lehrern auszustatten; auch hier gelang es ihm, einen Ausgleich zwischen den allgemeinen staatlichen Verordnungen und dem eigenartigen Charakter der Schule herbeizuführen. Nun erst konnte er daran denken, derselben auch einen neuen Leiter zu setzen; er ernannte den bisherigen Inspector des Pädagogiums, M. Schmidt, zum Rector und Condirector, er selbst übernahm die Sorge für das Pädagogium. Doch auch hier war ein Bruch mit der Vergangenheit unumgänglich nöthig. Sollte — wie es von oben verlangt ward — das Fachsystem abgeschafft, das Classensystem eingeführt werden, so war der gesammte Lehrplan zu ändern und unter den Lehrern mußte ein Wechsel eintreten. N. zog die besten Kräfte aus der Reisig'schen Schule heran, A. Stahr, K. Peter, Th. Echtermeyer, Mor. Seyffert, Herm. Daniel wurden gewonnen, auch Ruge hat es damals nicht verschmäht, Schulmeister zu sein. Die Frequenz wuchs von Jahr zu Jahr, zuletzt bis auf 70 Hausscholaren, während er mit 17 begonnen hatte. Vergegenwärtigt man sich nun, daß um dieselbe Zeit die Realschule neu gegründet ward, daß eine höhere Töchterschule entstand, daß die Elementarschulen erweitert wurden und eine Präparandenanstalt für künftige Volksschullehrer neben dieselben trat, daß das Missionswesen reorganisirt ward, daß überdem Vorlesungen auf der Universität gehalten und Lectionen in den Schulelassen ertheilt wurden und daß doch der Director noch Zeit fand auf dem Turnplatze oder auf der Schlittenbahn mit den Schülern zu verkehren, so muß man staunen über die Elasticität seiner Natur und den Umfang seiner Arbeitskraft, hat ihn aber nicht nur als den treuen Erhalter der Institute anzusehen, sondern ihm auch die Neuschöpfung von Institutionen zu danken. Zu diesen Geschäften trat noch eine ganz abweichende Seite der Wirksamkeit, als er 1839 zum Stadtverordneten gewühlt ward. Daß seine Mitbürger ihre Augen auf ihn wandten, war ja bei seiner Erfahrung und Gewandtheit in dem Administrationsfache begreiflich; ein Beweis aber des hohen Vertrauens und der Achtung dieser Körperschaft war es, daß er wiederholt zum Vorsteher der Versammlung oder, wenn er diesen Platz einzunehmen sich weigerte, regelmäßig zum Stellvertreter erwählt ward. Bis zu seinem Tode ist er Stadtverordneter gewesen. Dazu kamen dann noch die Arbeiten, welche er als einer der Gründer des Hallischen Hauptvereins der Gustav-Adolph-Stistung zu übernehmen hatte, die ihm die Beaufsichtigung des Provinzial-Blindeninstitutes brachte — und gerade diese waren sehr lästige — Mühen, die man ihm, ohne Rücksicht zu nehmen, auflud. Wer die Last einer so vielverzweigten Thätigkeit zu wägen weiß, wird kaum erwarten, daß N. noch Muße für wissenschaftliche Unternehmungen fand. Und doch hatte er schon 1834 die neunte Auflage von seines Vaters "Grundsätzen der Erziehung und des Unterrichts" besorgt, in welchem Buche er den historischen Theil fast ganz neu aufbaute. Als 1836 die bekannte Lorinser'sche Frage über die Gesundheitspflege der Schüler die Pädagogen zu beschäftigen anfing, war er einer der ersten, welche sich darüber vernehmen ließen. Die von seinem Studienfreunde Mor. Rödiger begonnene Collectio confessionum in ecclesiis reformatis publicatarum ließ er 1840 im Druck erscheinen. Im folgenden Jahre, zur Jubelfeier der Einführung der Reformation in Halle, veröffentlichte er eine Probe der kritischen Ausgabe der lutherischen Bibelübersetzung von 1545, von welcher in der Folge wenigstens die Bücher des Alten Testaments aus der Hand Bindseil's erschienen sind. Außerdem hat er wiederholt die Abhandlungen für das Schulprogramm des Pädagogiums verfaßt und in denselben zuerst nachdrücklich auf die Bedeutung Ratich's aufmerksam gemacht, — Studien, zu denen er als Dirigent des pädagogischen Seminars geführt wurde. Erwähnen wir endlich, daß er 1844 in die Redaction der Allgemeinen Litteraturzeitung eintrat und dem sinkenden Blatte durch Werbung von jüngeren Mitarbeitern aufzuhelfen suchte, so wäre im Großen und Ganzen der Umkreis seiner wissenschaftlichen Thätigkeit gezogen, wenn wir nicht noch von einem Buche zu reden hätten, das für sein Verhältniß zu den vorgesetzten Behörden entscheidend wurde. — Er gab 1843 die 18. Auflage des "Lehrbuches für die oberen Religionsclassen in gelehrten Schulen von A. H. Niemeyer" heraus. Wie tief mußte es ihn verletzen, als der Minister Eichhorn die Benutzung des Buches in den Anstalten, in denen es entstanden und für welche es geschrieben war, verbot. Er hat in langen Verhandlungen die Unterdrückung rückgängig zu machen gesucht, doch vergebens. Wenn Eckstein in der unten anzugebenden Lebensskizze von diesem rohen Eingreifen der Regierung, das zu der Menge von persönlichen Kränkungen gehörte, durch die es Eichhorn mit aller Welt verdarb, bemerkt, daß es N. tief betrübt, doch nicht erbittert hätte, so ist dies gewiß richtig, nur freilich ward er dadurch auch persönlich belehrt, daß das System, nach welchem Eichhorn verfuhr oder zu verfahren gedrängt wurde, eine freie und selbständige kirchliche Entwickelung nicht leiden würde. Wenn er zu den protestantischen Freunden gehörte, so zählte er doch zu den Gemäßigten, ging weder soweit wie Uhlich einerseits, noch andererseits Ruge; ihm kam es auf die Herstellung einer kirchlichen Vertretung an, weshalb er sich 1846 von seinem Bruder Anton, welcher Mitglied der damaligen Generalsynode war, über den Gang der Verhandlungen stets Bericht erstatten ließ. Ueberhaupt wäre es falsch, N. zu den Rationalisten gewöhnlichen Schrotes zu rechnen; er hatte einen so reichen Schatz schlichter Gemüthstiefe und eine so reine Innigkeit des Glaubenslebens, daß er dies nicht sein konnte. Aber allerdings war er auch fern davon, an pietistischen Erweckungen oder an unfreier Bekenntnißgebundenheit, zumal wenn sie mit Herrschsucht gepaart auftrat, Gefallen zu finden und die wissenschaftliche Forschung mochte er sich um keinen Preis verkümmern lassen. Wie wäre es sonst möglich gewesen, daß er in seiner großen Familie mit seinem Hamburger Schwager Wolff, der energisch pietistisch gerichtet, aber von der höchsten Lauterkeit des Wesens war, am allerintimsten stand, daß er Wichern's Person|und Wirksamkeit außerordentlich hoch stellte? Das Jahr 1848 bewies denn auch, daß er viel mehr positive Eigenschaften hatte als von seinen bisherigen Vorgesetzten angenommen wurde, daß er sich durch persönliche Anfechtungen nicht von dem Boden abziehen ließ, auf den ihn seine ganze Natur stellte. Die Stadt Halle sandte ihn als ihren Abgeordneten in die Berliner Nationalversammlung, nachdem Hansemann, welcher in erster Linie gewählt worden war, abgelehnt hatte. Es verstand sich für ihn von selbst, daß er der rechten Seite angehörte, daß er unter den ersten auf Rückberufung des Prinzen von Preußen drang, daß er in der Velfassungscommission den Theorien und Forderungen Waldeck's mit Nachdruck entgegentrat. Allein seine Handlungsweise wurde von den Wählern nicht völlig gebilligt, so daß er sich entschloß am 14. November, kurz nach der Verlegung der Versammlung nach Brandenburg, sein Mandat zurückzugeben. Für die Ordnung zu wirken, die königstreue Gesinnung zu beleben hörte er trotzdem nicht auf; er hat in demselben Herbste verschiedene Gebiete der Provinz in den mühseligsten Reisen durchzogen, um die bevorstehenden Wahlen richtig zu leiten. Hatte das Jahr 1849 allmählich ruhigere Verhältnisse gebracht, so folgte bald das Ministerium Manteuffel, in welchem Raumer die Unterrichtsangelegenheiten übernahm. Der Umschlag in der Beurtheilung von Niemeyer's Stellung und Thätigkeit machte sich sehr bald bemerkbar. Ladenberg hatte noch bewirkt, daß er durch die Verleihung des Adlerordens 3. Classe ausgezeichnet ward; demselben dankte er es auch, daß 1849 Eckstein als Condirector bestätigt wurde, eine Erleichterung seiner Arbeitslast, deren er umsomehr bedurfte, da er nach dem Tode des Oekonomieinspectors auch der Verwaltung der Finanzen allein vorgestanden hatte. Nunmehr ward eine Richtung mächtig, die zwar seinem Schwager Pernice günstig war, nicht jedoch ihm selbst. Es wäre nicht zu verwundern gewesen, wenn er in dem Gefühle, daß ihm bei dem Uebelwollen der neuen Vorgesetzten eine selbständige Wirksamkeit unterbunden sei, daß er für die Stiftungen eine vorurtheilslose Theilnahme der Regierung nicht hoffen dürfe, verdrossen und müde die Dinge hätte gehen lassen. Nichts lag ihm ferner. Er hat nicht aufgehört in treuer Hingebung für das Erbe seiner Väter zu sorgen, wie er denn gerade jetzt eine gewinnreiche Umgestaltung der Hausökonomie herbeiführte und mit der Stadt die Verhandlungen wegen der Rückgabe eines Stadtzwingers, den die Stiftungen in Erbpacht hatten, aufnahm. Allein seine Kraft war erschöpft. Ein Magenleiden, das er Jahre lang getragen, dann zuerst durch eine Reise, später durch eine Badekur zu heben versucht hatte, trat immer lästiger aus. Im Herbst 1851 gönnte er es sich noch einmal, bei seinen Freunden in Jena zu Gaste zu sein, auch stellte er noch den Lehrgang des Pädagogiums für das Winterhalbjahr fertig, ertheilte sogar im October und November noch Unterricht. Am 9. November jedoch mußte er dies aufgeben. Ob er es fühlte, daß er das Krankenzimmer nicht wieder verlassen würde? Zuweilen schien es so, aber das Pflichtgefühl ließ ihn nicht ruhen, immer noch dachte er an neue Arbeiten und Aufgaben, bis sein zweiter, hoffnungsvoller Sohn, der eben von einer italienischen Reise zurückkehrte, von einem jähen Nervenfieber ergriffen ward und am 20. November starb. Zwar wich die Fassung und Gottergebenheit, die Freundlichkeit gegen seine Umgebung nicht von ihm; allein er mußte nun sicher, daß er dem geliebten Kinde bald folgen müsse, ordnete seine persönlichen Angelegenheiten und die der Stiftungen und verschied am 6. December 1851. Sein Begräbniß gab Zeugniß davon, wie sehr die Vorzüge seiner wahrhaft vornehmen und liebenswürdigen Persönlichkeit gewürdigt wurden. Ebenso haben die Lehrer, die mit und unter ihm wirkten und deren manchem er das Leben gestaltet hat, und nicht minder seine Schüler ihm ein treues, pietätsvolles Andenken bewahrt. Dagegen hat die Staatsregierung auch seine letzten Anordnungen unbeachtet gelassen und in der Wahl seiner Nachfolger nicht einmal das Anrecht, welches den|Nachkommen des Stifters unfraglich zu gebühren schien, geehrt. Hätte er zehn Jahre länger gelebt, so würde er vielleicht nicht der letzte Director der großen Anstalten A. H. Francke's aus dem Stamme desselben gewesen sein, auch würde wol manches Glied der Institute, namentlich das Pädagogium, dessen Eingehen von vielen Seiten beklagt ist, erhalten sein. Für den, welcher seinen Lebensgang für weitere Kreise und kommende Zeiten zu zeichnen hat, ist es darum doppelte Pflicht hervorzuheben, daß N. der Regenerator der Stiftungen geworden ist, und zum Schluß noch einmal zu wiederholen, daß er eine Persönlichkeit seltener Art war. Mit dem scharfen und schnellen Blicke für Personen wie Verhältnisse, mit reichem, vielseitigem Wissen und Feinheit des Geschmacks verband er eine unvergleichliche Geschäftsgewandtheit und eine selbstlose Freudigkeit des Arbeitens, zugleich aber eine Feinheit und einen Adel des Empfindens und eine Hingebung für andere, die keinen Dank und keine Anerkennung suchten, vielmehr dem Empfangenden durch die heitere Leichtigkeit des Gebens über die Verlegenheit des Annehmens hinweghalfen. Literatur ↑ Eckstein im Hallischen patriotischen Wochenblatt 1852, Nr. 47 und 48. — Hallischer Courier (Waisenhaus) 1852, Nr. 42. — Vgl. auch Wiese, Lebensersahrungen und Amtserinnerungen, I, 169 ff., der jedoch die zuletzt berührte Frage und die ganze Persönlichkeit N.'s unrichtig und einseitig, nur von dem Standpunkte des Raumer'schen Ministeriums aus, beurtheilt und N. selbst fast gar nicht gekannt hat. Autor ↑ Nasemann. "
- Sein Eintrag bei Familienforscher Halle: "Niemeyer, August Hermann (1754 – 1828) (Seite des bbkl, Autor: Rudolf W. Keck) evangelisch-lutherischer Theologe, theoretischer und praktischer Pädagoge; * 1. September 1754 in Halle (als Sohn des Pastors Johann Conrad Philipp Niemeyer), † 7. Juli 1828 als Mitglied des Preußischen Konsistoriums in Magdeburg. - A.H. N., war mütterlicherseits ein Urenkel des Waisenhausgründers August Hermann Francke. Er studierte in Halle, war u.a. Lehrer an der deutschen Schule und der Latina der Franckeschen Stiftungen, schließlich deren Direktor, Professor der Theologie, Kanzler und Kurator der Universität. 1786 Heirat mit Agnes Wilhelmine Christiane von Köpken. Ein tabellarischer Lebenslauf findet sich im Ordner "Bereits bestehende Linksammlungen ..." unter "Wichtige Persönlichkeiten der Kirche". Aus der sehr zu empfehlenden Wikipedia-Seite entnehme ich noch folgenden genealogischen Abschnitt: Sein Vater war Johann Konrad Philipp Niemeyer (1711–1767), Prediger, Diakon und Archidiakonus Adjunctus in Halle. Die Mutter Auguste Sophie Freylinghausen (1717–1763) war die Tochter des Waisenhaus-Direktors Johann Anastasius Freylinghausen (1670–1739). [29.1.10, FF] http://www.bautz.de/bbkl/n/niemeyer_a_h.shtml"
- Seine Seite bei Kirche in Halle (AUCH BILDQUELLE!): "August Hermann Niemeyer (1754 – 1828) August Hermann Niemeyer, der bekannte Theologe, Pädagoge und hallesche Patriot, leitete einige Jahre lang die Franckeschen Stiftungen und trug viel zur Erhaltung der Stiftung bei. 01.September 1754 als Sohn des Pastors Johann Conrad Philipp Niemeyer in Halle (Saale) geboren ab 1763 Tod seiner Mutter, wurde von seiner Großtante Sophie Lysthenius erzogen 1765 externer Schüler des könglichen Pädagogiums der Franckeschen Stiftungen 1771 Immatrikulation an der Friedrichs – Universität in Halle 1775 Veröffentlichung des 1. Teils der Charakteristik der Bibel als theologisches Hauptwerk 1776 Lehrer an der deutschen Schule und der Latina der Franckeschen Stiftungen 1779 Professor der Theologie und Inspektor des theologischen Seminars 1783 Dozent für Pädagogik an der Friedrichs - Universität 1785 Ernennung zum Kondirektor der Franckeschen Stiftungen und zum Leiter des städtischen Armenkollegiums der Stadt Halle 1786 Heirat mit Agnes Wilhelmine Christiane von Köpken 1792 Gründung der Zeitung Frankens Stiftung 1799 Direktor der Franckeschen Stiftungen zusammen mit Georg Christian Knapp 1804 Berufung zum Oberkonsistorialrat und Oberschulrat und damit auch zum Mitglied des Berliner Oberschulkollegiums 1806 Kabinettsordre des König Friedrich Wilhelm lll. zum Erhalt und zur Unterstützung der Franckeschen Stiftungen 1808 Teilnahme an der Huldigungsfeier für Jèrôme Bonaparte, dieser ernannte ihn zum Kanzler und Rector perpetuus 1816 Niederlegung des Amtes des Rektorats der Universität, Beibehaltung des Kanzleramtes 1819 Beendigung der Tätigkeit als Kanzler und Kurator der Universität 18. April 1827 ”Jubelfeier des 50-jährigen Lehramts” und der Promotion, Verleihung der Bürgerkrone der Stadt Halle 07.Juli 1828 in Halle (Saale) gestorben Quelle: Licht und Schatten, August Hermann Niemeyer - Ein Leben an der Epochenwende um 1880; Katalog der Frankeschen Stiftungen 13; Hrsg.: Brigitte Klosterberg; ISBN: 3-931479-55-2, Seite 298"

- Sein Eintrag bei den Franckeschen Stiftungen: "Niemeyer, August Hermann Geburtsdatum: 1.9.1754 Geburtsort: Halle Sterbedatum: 7.7.1828 Sterbeort: Halle Geschlecht: M Biographie: Vater: Johann Konrad Philipp Niemeyer. Mutter: Auguste Sophie Niemeyer. Seit 1765 Erziehung durch Sophie Antoinette Lysthenius. 1763 Besuch des Pädagogiums in Halle. 1771 an der Universität Halle immatrikuliert, Theologie-, Philologie und Philosophiestudium. 1773 Informator an der Knabenbürgerschule, später an der Lateinischen Schule in Halle. 1776 Magister, 1777 Dozent für klassische Philologie und Theologie, Doktor der Philosophie, 1779 außerordentlicher und 1784 ordentlicher Professor der Theologie und Inspektor des Pädagogiums, 1785 Kondirektor des Waisenhauses, 1787 Leiter des neu gegründeten pädagogischen Seminars, 1792 Konsistorialrat, 1793 Prorektor der Universität Halle, 1799 Direktor des Waisenhauses, 1804 Oberkonsistorial- und Oberschulrat. 1807 als Geisel nach Frankreich. 1808-1816 Kanzler und Rektor der Universität Halle. Brüder: David Gottlieb Niemeyer, Erdmann Gotthilf Niemeyer, Johann Anastasius Niemeyer. Schwester: Johanne Auguste Fink. 1. Heirat am 5.10.1786 Heirat mit Agnes Wilhelmine Köpken. Söhne: Wilhelm Hermann Niemeyer (1788-1840), Franz Anton Niemeyer (1790-1867), Carl Eduard Niemeyer (1792-1837), August Hermann Niemeyer (1796-1797), August Hermann Niemeyer (1797-1798), Maximilian Theodor Niemeyer (1801-1835), Hermann Agathon Niemeyer (1802-1851). Töchter: Agnes Sophie (1793-1820), Luise Charlotte (1795-1818), Caroline Marianne (1807-1860), Wilhelmine (1811-1846), Angelika (1812). PND-Kennzahl: 118786199 Biografische Nachweise: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. v. der Historischen Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Bd. 23. v. Münchhausen - v. Noorden. Leipzig 1886, S. 677ff; Menne, Karl: August Hermann Niemeyer. Sein Leben und Wirken, Halle 1995, passim; Niemeyer, Kurt: Stammtafeln des Niemeyerschen Geschlechts, Halle 1915, Nr. 1. Hinweis: Die angegebene Literatur wurde aus älteren Projekten übernommen und noch nicht aktualisiert. Recherchequellen: AFSt/H D 24b Nr. 210h"
- Frankesche Stiftungen zur Gattin: "Niemeyer, Agnes Christiane Wilhelmine Geburtsname: Köpken, Agnes Christiane Wilhelmine von Geburtsdatum: 15.2.1769 Sterbedatum: 1847 Geschlecht: W Biographie: Vater: Friedrich von Köpken. Bruder: Friedrich Köpken. Schwester: Charlotte Köpken. Heirat am 5.10.1786 mit August Hermann Niemeyer. Söhne: Wilhelm Hermann Niemeyer (1788-1840), Franz Anton Niemeyer (1790-1867), Carl Eduard Niemeyer (1792-1837), August Hermann Niemeyer (1796-1797), August Hermann Niemeyer (1797-1798), Maximilian Theodor Niemeyer (1801- 1835), Hermann Agathon Niemeyer (1802-1851). Töchter: Agnes Sophie (1793-1820), Luise Charlotte (1795-1818), Caroline Marianne (1807-1860), Wilhelmine (1811-1846), Angelika (1812). Biografische Nachweise: Menne, Karl: August Hermann Niemeyer. Sein Leben und Wirken, Halle 1995, S. 38.; Niemeyer, Kurt: Stammtafeln des Niemeyerschen Geschlechts, Halle 1915, Nr. 1.; Hallisches patriotisches Wochenblatt zur Beförderung gemeinnütziger Kenntnisse und wohlthätiger Zwecke, Jg. 1847, S. 641ff."
- ZUR TOCHTER: Franckesche Stiftung zu den Töchtern: "Jacobs, Agnes <1793-1820> Geburtsname: Niemeyer, Agnes <1793-1820> Geburtsdatum: 12.12.1793 Sterbedatum: 22.11.1820 Geschlecht: W Biographie: Vater: August Hermann Niemeyer. Mutter: Agnes Wilhelmine Niemeyer. Im Dezember 1819 Heirat mit Johann August Jacobs. Schwester: Caroline Niemeyer. Biografische Nachweise: Niemeyer, Kurt: Stammtafeln des Niemeyerschen Geschlechts, Halle 1915, Nr. 1."
- Brigitte Köthers Artikel über ihn bei Ernst Herbst: "Der Vatersvater: August Hermann Niemeyer (1754-1828) August Hermann Niemeyer August Hermann Niemeyer (1754-1828) Ölgemeinde von Carl Theodor Demiani (1828) Hatten die Vertreter der Niemeyerfamilie in der Elterngeneration Mariannes sowie in ihrer eigenen einen weit reichenden guten Ruf, so wurde dieser noch weit übertroffen von August Hermann Niemeyer, Mariannes Großvater in Halle. Und diese Ausstrahlung reicht bis in die heutige Zeit, bis ins 21. Jahrhundert, wie der Veranstaltungskatalog der Franckeschen Stiftungen zu Halle für das Jahr 2004 eindrucksvoll beweist. Namhafte Persönlichkeiten des kulturellen und ge-sellschaftlichen Lebens Sachsen-Anhalts unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes, Professor Dr. Wolfgang Böhmer, zeichneten verantwortlich für das kulturelle Themenjahr 2004: "Aufklärung und Bildung". Bereits im Vorwort ist die Bedeutung August Hermann Niemeyers, dessen 250. Geburtstages man ehrend gedachte, hervorgehoben worden. Zahlreiche Veranstaltungen waren ihm gewidmet, so eine große Ausstellung vom 23. Mai bis 7. November 2004 in sieben Räumen der Franckeschen Stiftungen mit einem anspruchsvollen, sehr informativen Katalog, eine mehrtägige Konferenz mit internationaler Beteiligung , zahlreiche Vorträge, Salongespräche, Führungen - unter anderen auch auf den Spuren der Kanzlerin - teilweise mit museumspädagogischem Begleitprogramm. Folgenden Text findet man im Veranstaltungskatalog 2004: Licht und Schatten. August Hermann Niemeyer (l754-1828) Ein Leben an der Epochenwende um 1800 Jahresausstellung im Themenjahr Eröffnung mit einem Festvortrag von Prof. Dr. Ulrich Herrmann. August Hermann Niemeyer gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten Halles in seiner Zeit. Als Rektor und Kanzler der Universität, Direktor der Franckeschen Stiftungen, als preußischer Bildungspolitiker und Pädagoge wirkte er über die Grenzen Halles hinaus. Er unterhielt zu vielen bekannten Persönlichkeiten Kontakte, die er durch eine weit gespannte Korrespondenz und zahlreiche Reisen im In- und Ausland pflegte. Leben und Wir-ken August Hermann Niemeyers einer größeren Öffentlichkeit wieder bewußt zu machen und in den Kontext der Kommunikationskultur seiner Zeit zu stellen, ist das erklärte Ziel der Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen, die anläßlich seines 250. Geburtstages im Historischen Waisenhaus gezeigt wird. In sieben Ausstellungsräumen wird das Leben Niemeyers, werden sein Tun und seine Interessen im Kreis seiner Familie, im Salon seiner Frau Agnes Wilhelmine, auf dem Gebiet der Erziehung und Bildung, sein Einsatz für die Universität und die Franckeschen Stiftungen sowie seine Rolle als Diplomat und Reisender vorgestellt und damit eine spannungsreiche Epoche der halleschen Stadt-, Universitäts- und Schulgeschichte im Kontext Deutschlands und Europas perspektivenreich beleuchtet. Die Ausstellung möchte gleichfalls zu einer Zeitreise an die Epochenwende des 18. Jahrhunderts, eine bewegte Zeit, einladen und die Auswirkungen der politischen und kulturellen Veränderungen im Spiegel der Biographie Niemeyers verorten. Inmitten der weitläufigen Anlagen der Franckeschen Stiftungen gibt es einen Niemeyer-Platz mit einer Niemeyerbüste, die von dem in Bulgarien geborenen zeitgenössischen Künstler Rossen Andreev geschaffen worden ist. Hier sollen heutzutage Besucher der Anstalt "die lebendige und gleichzeitig geschichtsträchtige Atmosphäre des Bildungskosmos Franckesche Stiftungen auf sich wirken lassen". Es gibt aber viele weitere Hinweise und Zeugnisse in Halle, die auf diesen bedeutenden Sohn der Stadt hinweisen: An seinem ehemaligen Wohnhaus am Großen Berlin befindet sich eine Plakette mit der Aufschrift: Hier wohnte l787-1828 Professor der Theologie und Universitätskanzler August Hermann Niemeyer, es gibt eine Niemeyerstraße mit der entsprechenden Beschilderung, eine Büste von ihm im Treppenhaus des Löwengebäudes der Universität und mehrere Gemälde an verschiedenen Orten. Niemeyer gilt in Halle als lokale Größe, als Prominentester Bürger, ja als gekrönter Bürger, weil er im Jahre l827 anläßlich seines 50jährigen Amtsjubiläums vom Magistrat und der Bürgerschaft eine silberne, teilweise vergoldete Bürgerkrone für sein gemeinnütziges Engagement verliehen bekommen hat. Die Würdigung, die dem verstorbenen August Hermann Niemeyer ein Jahr später zuteil wurde, überstieg alles vorher Gewesene; prächtiger konnte kein adliges gekröntes Haupt bestattet werden. In den Anmerkungen über Sterbefälle von 1818 bis 1874 im Pfarrarchiv Unser Lieben Frauen ist zu lesen: "Noch nie ist wohl ein schönerer Leichenzug bey einem Begräbniß in Halle gewesen, als wie bey der Beerdigung des höchstverdienten Herrn Kanzler Niemeyer." In etlichen Kirchen der Stadt läuteten die Glocken sowohl am Sterbe- als auch am Begräbnistag, und weil der Leichenzug schier endlos lang war, ertönten auch die Glocken eine geraume Zeit. Zahlreiche würdigende Trauer- und Gedächtnisreden wurden gehalten und ein Meer von Blumen und Bändern schmückte den Stadtgottesacker, wo er in dem Erbbegräbnis der Familie beigesetzt wurde. Der oben erwähnte Bericht über das Begräbnis endet mit den Worten: Lange wird dieser vortreffliche Mann unter uns und in der ganzen Welt unvergeßlich bleiben, denn es war noch nicht seines gleichen hier und wird auch so bald nicht wieder kommen. Wer war nun dieser zu seiner Zeit so hoch verehrte und gekrönte Bürger von Halle? August Hermann Niemeyer wurde am 1. September 1754 als fünftes Kind des Theologen und Lehrers des Waisenhauses Johann Conrad Philipp Niemeyer und dessen Ehefrau Auguste Sophie geborene Freylinghausen, der Enkelin von August Hermann Francke, in Halle geboren. Erst neunjährig verlor er seine Mutter, drei Jahre später seinen Vater. Eine Verwandte, Witwe eines russischen Leibarztes und Rates, Sophie Antoinette Lysthenius, die als Mitglied des Adels am ostfriesischen Hof aufgewachsen war, übernahm die Erziehung und beeinflußte die Umgangsformen und den Bildungsgang. Die Schulzeit absolvierte August Hermann auf dem Pädagogium Regium, der Gelehrtenschule, die 1697 von seinem Urgroßvater August Hermann Francke gegründet worden war und ein königlich preußisches Privileg besaß. Ab 1771 studierte er Theologie an der Universität Halle. Erst 21jährig trat er 1775 mit einem originellen Werk an die Öffentlichkeit: Die Charakteristik der Bibel. Darin entwirft er ein Konzept des denkenden Christen und artikuliert seinen theologischen Standpunkt, daß er nicht für Gottesgelehrte, sondern für denkende Christen schreiben wolle. Nicht trockene Speculationen und gelehrte Auslegungen zu biblischen Gestalten ist sein Anliegen, sondern die Frohe Botschaft soll in ihrer menschlichen Dimension verkündigt werden. Das Studium der Bibel ohne Systeme, Compendien und Lehrbücher sollte der Erbauung der Seele dienen und zeigen, daß Natur und göttliches Wirken keinen Widerspruch darstellen, weil Gott durch den Menschen wirkt. In den Jahren zwischen 1775 und 1794 wächst seine theologische Abhandlung Charakteristik der Bibel auf fünf Bände an und erlebt als echter Erfolgstitel fünf Auflagen. Niemeyer verfaßte auch mehrere Lehrbücher zur Religionspädagogik, z. B. # Handbuch für christliche Religionslehrer (1792) # Briefe an christliche Religionslehrer (1796 - 1799) # Lehrbuch für die oberen Religionsklassen gelehrter Schulen (1802) 1777 promovierte er über Homer und bekundete damit seine literarischen Ambitionen, denen er zeit seines Lebens anhing und die er auch eigenschöpferisch zum Ausdruck brachte. Zahlreiche Gedichte und Lieder, religiöse Dramen und viele Reiseberichte bezeugen das. Mit den stark handlungsorientierten Dramen # Abraham auf Moria (l776), # Lazarus, oder die Feyer der Auferstehung (1778), # Thirza und ihre Söhne (1778) sowie # Mehala , die Tochter Jephtas (1781) und auch mit Gedichten lieferte er Textvorlagen für den Komponisten Johann Heinrich Rolle aus Magdeburg und für Franz Schubert. Aber auch auf dem Gebiet der allgemeinen Pädagogik verfaßte Niemeyer grundlegende und wegbereitende Schriften. 1796 erschienen seine Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts, die sich rasch zu einem Standardwerk der Pädagogik im 19. Jahrhundert entwickelten. In der Vorrede zu diesem Werk schreibt er: "Dem Ganzen wird man es, hoff' ich, anmerken, daß ich mich von jeder Anhänglichkeit an irgend ein System, heißt es kirchlich, philosophisch, pädagogisch, oder politisch, frey zu erhalten gesucht habe. Er bekannte sich dazu, Eklektiker zu sein, auszuwählen, welche Erziehungsmaßnahmen in dem speziellen Fall Anwendung zu finden haben: ... was mit dem einen Kind leicht zu erreichen ist, kann mit dem anderen mühsam sein. Niemeyer befaßte sich mit allen Optionen der alten und neuen, kritischen und "antikritischen" Erziehungslehren und beschrieb diese abwägend, abgrenzend, zuordnend und wertend und wurde so zu einem Historiographen der Zeitgeschichte pädagogischer Strömungen. Das Ergebnis langjähriger Beschäftigung mit dieser Materie war das Enzyklopädische Lehrbuch der Pädagogik, das zwischen 1796 und 1825 in 8 Auflagen in immer wieder überar-beiteten und aktualisierten Versionen erschien. Es war also kein statisches, abgeschlossenes Werk; Niemeyer arbeitete ständig seine neuesten Erfahrungen der pädagogischen Praxis auf dem Königlichen Pädagogium ein. Als unparteiischer Pädagoge war er auch auf diesem Gebiet ein fruchtbarer Verfasser vieler Schriften und Traktate. Vor allem aber sorgte er durch seine fortschrittlichen Erziehungsideen und Erziehungsmaßnahmen für eine Erneuerung des Bildungsprogrammes des Pädagogiums als Internatsschule für Söhne des Adels und des zahlungskräftigen Bürgertums. Auch wußte er sich durch sein Wirken die Gunst des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen zu gewinnen und zu erhalten, der mit beachtlichen Zuwendungen seine Verbundenheit mit den pädagogischen Anstalten in Halle bekundete. Liest man in den pädagogischen Schriften Niemeyers, wie er die Schüler neben dem Unterricht zu Freizeitaktivitäten wie Spaziergänge und -ritte, Exkursionen, Jahresfeste usw. anregte, Sonntagsveranstaltungen unter dem Namen Privat-Aktus organisierte, zu dem Vorlesungen, Gespräche, Musik und auch ein Tänzchen angeboten wurden, um den gesellschaftlichen Umgang der Zöglinge zu befördern, so blickt man aus heutiger Sicht mit Bewunderung und auch etwas Neid auf den Ideenreichtum und die Beweglichkeit des Bildungswesens in dieser Einrichtung. Bildung des Geistes und des Herzens waren Niemeyers Maxime der Erziehung. Neben seinem erfolgreichen Wirken auf theologischem und pädagogischem Gebiet erwarb sich August Hermann Niemeyer aber auch große Verdienste als pflichtbewußter Patriot für das Fortbestehen der Franckeschen Stiftungen und der Hallenser Universität sowie als ein geschickter Diplomat während der Napoleonischen Kriege und der Zeit der französischen Besatzung. 1804 war er als Oberkonsistorialrat und Oberschulrat Mitglied des Oberschulkollegiums in Berlin geworden, mit Sitz und Stimme im preußischen Ministerium. 1807 erging an ihn der Ruf des Königs zum Geheimen Staatsrat für das Ressort Cultus und Unterricht, was er aus patriotischen Erwägungen im Hinblick auf die Universität in Halle sowie auf die Franckeschen Stiftungen nach einiger Bedenkzeit ablehnte. Wilhelm von Humboldt hat dann diese Funktion übernommen. Niemeyer aber sah seinen Platz in Halle, um die von ihm geleiteten Einrichtungen durch die Wirrnisse des Krieges und dessen Folgen zu führen. 1806 war die Universität zum ersten Male geschlossen worden. Durch geschicktes Verhandeln erreichte Niemeyer, daß sie im Mai 1808 wieder eröffnet werden konnte. Daß der Ostphalenkönig Jérôme ihn als Rector perpetuus (ohne jährliche Wiederwahl) einsetzte und als Kanzler bestätigte, zeugt von großem diplomatischem Geschick. Allerdings mußte er sich deshalb auch von einigen Neidern Kollaboration mit der französischen Besatzung vorwerfen lassen. Henrich Steffens , Professor der Naturphilosophie, Physiologie und Mineralogie in Halle sagte dazu: Daß er Alles, was der unabweisbare Druck der Verhältnisse erlaubte, klüglich benutzte, um der Stadt und Universität nützlich zu sein, kann kein Besonnener ihm vorwerfen, muß es vielmehr billigen. Eine besonders mißliche Situation hatte Niemeyer effektiv zu nutzen gewußt: Im Mai 1807 war er von der französischen Besatzungsmacht verhaftet und nach Frankreich deportiert worden. Über Mainz und Metz ging es schließlich nach Paris. Diese Deportation war aber mehr als eine Zwangsreise zu betrachten, denn er mußte diese aus eigener Tasche bezahlen. Sie gestattete ihm aber auch, bekannte Persönlichkeiten zu besuchen, Sehenswürdigkeiten zu betrachten, Bildungs- und Sozialeinrichtungen zu studieren und vor allem wichtige Kontakte zu den zukünftigen Ministern des Königreiches Westphalen zu knüpfen. Diese Verbindungen erwiesen sich als sehr hilfreich für die weitere Entwicklung der Situation in Halle. Im Oktober 1807 kehrte Niemeyer nach Hause zurück, allerdings mit dem inneren Konflikt: sollte er in Halle bleiben und sich dem Druck der Fremdherrschaft stellen, oder sollte er das Angebot des preußischen Königs annehmen und sein Wirkungsfeld nach Berlin verlegen? Zum Wohle der beiden bedeutenden Hallenser Bildungseinrichtungen entschied er sich für das Ausharren in seiner Heimatstadt. Dennoch hat er es verstanden, sich die Gunst des Königs von Preußen zu erhalten. Die Büste Friedrich Wilhelms III. blieb auf seinem Schreibtisch stehen, obwohl er sich auch an der Huldigung des Königs Jérôme Bonaparte beteiligte. Seine Hoffnungen für die Stiftungen und die Universität Halle erfüllten sich, der Vorlesungsbetrieb an der Universität konnte wieder aufgenommen werden, und die Franckeschen Stiftungen erhielten eine solide und tragfähige finanzielle Unterstützung. Niemeyer nahm die Berufung als Mitglied der Reichsstände in Kassel an und wurde für seine Dienste mit dem Orden der westphälischen Krone geehrt. So manövrierte er geschickt die Einrichtungen, für die er sich verantwortlich fühlte, durch die Jahre der feindlichen Besatzung. Sein Herz aber blieb auf der preußischen Seite, wie er später literarisch zum Ausdruck gebracht hat. Nach dem französischen Interregnum veröffentlichte er eine zweibändige Beschreibung seiner Erlebnisse während der Zwangsreise unter dem Titel: Beobachtungen auf einer Deportationsreise nach Frankreich im Jahre 1807. Nebst Erinnerungen an denkwürdige Lebenserfahrungen und Zeitgenossen in den letzten funfzig Jahren. Im Hoffnungslied im Angesicht des Rheins kann man lesen: Wohin sie uns vom Vaterlande bannen, Was kümmert uns der Ort? Den Körper nur - den führen sie von dannen; Der freie Geist bleibt dort. Dieses Gedicht entstand 1807; ein weiteres besingt den Rhein, nun aber 1814: An den Rhein. 1814. Triumph dir, Vater Rhein! es ist errungen! Das Vaterland ist frey! Besiegt, die uns wie dich ins Joch gezwungen, Die stolze Tyranney. Gerettet sind die alten, heil’gen Rechte, Denn uns gehörst du an. Die gierig dich umschwärmt, die feilen Knechte Scheucht unsrer Heere Bann. Du trennst nicht mehr, was die Natur verbunden, Was e i n e m Stamm entsproß. Die Zwietracht ist, der Bruderzwist verschwunden Und du der Fessel los. Hinfort umschlingt verwandte Nationen Dein silbern Friedensband; v Schon reichen sich, die deinen Strand umwohnen, v Aufs neu die Bruderhand. Die Veröffentlichung dieser patriotischen Lyrik erfolgte 1814 nicht ohne Grund: Niemeyer dokumentierte damit seine innere Zugehörigkeit zum preußischen Staat, obwohl er Amts- und Würdenträger des westphälischen Königreiches war. Als die Kampfhandlungen im Befreiungskrieg sich dem Raum um Halle näherten, beherbergte er General Blücher in der Nacht vor der Völkerschlacht bei Leipzig in seinem Wohnhaus. Da die Universität durch Napoleon erneut geschlossen worden war, fühlte er sich nicht mehr an diesen gebunden und stellte seine Dienste der deutschen Freiheitsbewegung zur Verfügung. So richtete er sofort im Waisenhaus ein Lazarett für Verwundete ein und war der Wiedereinführung der preußischen Regeln und Gesetze umgehend behilflich. Zwar bat er um seinen offiziellen Rücktritt vom Amt des immerwährenden Rektors der Universität, er blieb jedoch Kanzler und als ständi-ger Berater des hohen Departments in Angelegenheiten der Universität und Kurator in Halle führender Sachverständiger auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung. Außerdem wurde er von preußischer Seite mit dem Adlerorden dritter Klasse ausgezeichnet. Niemeyer schaffte den diplomatischen Spagat zwischen Preußen und Westphalen, nutzte seine Autorität und sein Ansehen für die Universität und die Franckeschen Stiftungen und wurde von beiden Regierungen als ein Mann angesehen, der zu den fähigsten und besten Köpfen Halles zählte. Zum Inhaltsverzeichnis:"
- Brigitte Köthers Artikel über die Gattin bei Ernst Herbst: "Vatersmutter: Agnes Wilhelmine Christiane von Köpken-Niemeyer (1769-1847) 'Kanzlerin' Niemeyer Agnes Wilhelmine Christiane Niemeyer, geb. Köpken (1769-1847) Ölgemälde nach 1828 Ihm zur Seite stand eine vortreffliche Frau, die seine öffentliche Wertschätzung zu untermauern verstand und durch ihr gewinnendes und entgegenkommendes Wesen so manche Schroffheit und Unnahbarkeit ihres Gatten glätten und ausgleichen konnte. Marianne Wolff, verwitwete Immermann, schreibt in dem für ihre Kinder aufgezeichneten Lebenslauf: "... die graziöse Liebenswürdigkeit der Großmutter hätte nicht der Folie der Unliebenswürdigkeit des Großvaters bedurft, um angenehm zu wirken." Der Salon der Niemeyers galt zwischen 1786 und 1828 als Tempel der edelsten Gastfreiheit, wie im Nekrolog der Deutschen, Jahrgang 1848, zu lesen ist. Die geselligen Abende, an denen nicht selten bis zu 100 Besucher teilnahmen, waren legendär. Man erfreute sich der Musik, der Literatur, der neuesten Dramen, so z. B. der noch handschriftlichen Fassungen von Schillers Wallenstein, Maria Stuart und Jungfrau von Orleans, die dann kurz danach am Lauchstädter Theater Goethes zur Aufführung gelangten. Bei Tee und Wein sprach man über Kunst und Wissenschaft. Die Seele der Gesellschaft war die Kanzlerin, die diesen Beinamen nicht nur als Gattin August Hermann Niemeyers erhielt. Im Neuen Nekrolog der Deutschen, Jahrgang 1848, steht: "August Hermann Niemeyer wußte, wie seine Frau auf Gäste wirkte, und benutzte ihre geselligen Fähig-keiten für seine vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Auswärtige Gäste, die zahlreich Eintritt in Niemeyers Haus begehrten, soll er lieber zu seiner Frau geführt haben, deren Bildung und echtes Interesse am Gespräch mit ihrem Gegenüber niemanden ohne Bewunderung von ihr scheiden ließ." In der Beschreibung des Salons der Frau Niemeyer sagt Jessika Piechocki: Eine Einladung ins Niemeyersche Haus galt als Eintritt in das, was man die ‚gute Gesellschaft’ nennt. Bei Niemeyers verkehrten neben Studenten - unter ihnen Arnold Ruge, Carl Loewe, Carl Ritter und Karl August Varn-hagen von Ense - bedeutende Zeitgenossen: die halleschen Professoren Johann Christian Reil, Friedrich Schleierma-cher und Henrich Steffens; die Ballenstedter Malerinnen Caroline und Wilhelmine Bardua; die Weimarer Schauspie-ler und Sänger Wilhelm Ehlers, Eduard Genast, Gertrud Elisabeth Mara und Johanna Sophia Friederika Petersilie sowie Pius Alexander Wolff und seine Frau Amalie; der Feldmarschall Blücher, der Prinzenerzieher Friedrich von Delbrück mit seinem Sohn Rudolph; der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit seiner Frau Luise, Goethe mit seiner Frau Christiane und Friedrich Schiller, der Herzog Karl Eugen von Württemberg und seine Frau, der hallesche Romanschriftsteller August Lafontaine und Familie, der Historiker Johannes von Müller, die Musikerfamilie Reichardt aus Giebichenstein, der Übersetzer Johann Heinrich Voss mit seiner Familie und Carl Gustav von Brinckmann. "
- Seine Seite bei Ivanc: " Name August Hermann Agathon VON NIEMAYER Beruf Nemški teolog, pedagog, libretist, pesnik, potopisec in politik, kancler Univerze Halle Ereignisse Art Datum Ort Quellenangaben Geburt 1. September 1754 Halle, Nemčija nach diesem Ort suchen Bestattung Halle, Nemčija nach diesem Ort suchen Tod 7. Juli 1828 Glauchau, Nemčija nach diesem Ort suchen Heirat 5. Oktober 1786 Magdeburg, Nemčija nach diesem Ort suchen Eltern Johann Konrad Philipp VON NIEMAYER Auguste Sophie FREYLINGHAUSEN Ehepartner und Kinder Heirat Ehepartner Kinder 5. Oktober 1786 Magdeburg, Nemčija Agnes Wilhelmine Christiane VON KÖPCKEN 20. Juni 1788 Wilhelm Hermann VON NIEMAYER ♂ 8. Januar 1790 Franz Anton VON NIEMAYER ♂ 13. April 1792 Carl Eduard VON NIEMAYER ♂ 12. Dezember 1793 Agnes Sophie VON NIEMEYER ♀ 7. Mai 1795 Luise Charlotte VON NIEMEYER ♀ 5. Januar 1802 Hermann Agathon VON NIEMAYER ♂ 22. Juni 1804 Carl Wilhelm VON NIEMEYER ♂ 4. Oktober 1805 Johanne Auguste VON NIEMAYER ♀ 22. September 1807 Caroline Marianne VON NIEMAYER ♀ 4. März 1811 Wilhelmine Marie VON NIEMAYER ♀ 1812 Angelika VON NIEMEYER ♀ 3. Februar 1801 Maximilian Theodor VON NIEMEYER ♂ 29. September 1797 August Hermann VON NIEMEYER ♂ 28. November 1802 Sophie Magdalena VON NIEMEYER ♀ Notizen zu dieser Person August Hermann Niemeyer Quellenangaben 1 6 - FamilySearch Family Tree FamilySearch Family Tree je objavil MyHeritage pod licenco FamilySearch International, največje rodoslovne organizacije na svetu. FamilySearch je neprofitna organizacija, ki jo podpira The Church ofJesus Christ of Latter-day Saints (Mormonska cerkev). 2 6 - FamilySearch Family Tree FamilySearch Family Tree je objavil MyHeritage pod licenco FamilySearch International, največje rodoslovne organizacije na svetu. FamilySearch je neprofitna organizacija, ki jo podpira The Church ofJesus Christ of Latter-day Saints (Mormonska cerkev). 3 6 - FamilySearch Family Tree FamilySearch Family Tree je objavil MyHeritage pod licenco FamilySearch International, največje rodoslovne organizacije na svetu. FamilySearch je neprofitna organizacija, ki jo podpira The Church ofJesus Christ of Latter-day Saints (Mormonska cerkev)."
- Ivanc ZUR TOCHTER: "Name Luise Charlotte VON NIEMEYER Beruf Učiteljica glasbe - Musiklehrerin Ereignisse Art Datum Ort Quellenangaben Geburt 7. Mai 1795 Halle, Nemčija nach diesem Ort suchen Tod 15. August 1818 "
- Ivanc ZUM SOHN: "Name Carl Wilhelm VON NIEMEYER Beruf Pridigar na Ägidienkirche Lübeck - Prediger an der Ägidienkirche zu Lübeck Ereignisse Art Datum Ort Quellenangaben Geburt 22. Juni 1804 Halle, Nemčija nach diesem Ort suchen Tod 30. Dezember 1842 Eltern August Hermann Agathon VON NIEMAYER Agnes Wilhelmine Christiane VON KÖPCKEN"
- Ivanc ZUR TOCHTER: "Name Sophie Magdalena VON NIEMEYER Ereignisse Art Datum Ort Quellenangaben Geburt 28. November 1802 Halle, Nemčija nach diesem Ort suchen Tod 22. Juni 1839 Eltern August Hermann Agathon VON NIEMAYER Agnes Wilhelmine Christiane VON KÖPCKEN"



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